Public Viewing 2006 .....auch wir ziehen Bilanz


Das Public Viewing 2006 ist zuende. Für uns Nachbarn endet damit auch ein Monat Lärmterror. Es waren nicht die Fußballübertragungen oder die jubelnden Fans, die uns zu laut waren. Es war das "Rahmenprogramm" welches mit einer gemessenen Lautstärke von teilweise über 90 db, den Rahmen des Zumutbaren und Erträglichen sprengte.

Nachfolgend ein Rückblick mit Dokumenten, Briefen, E-Mails und Zeitungsausschnitten zu diesem Thema

 

Kölner Stadtanzeiger  11.Juli 2006

 

Leserbrief zu Artikel "Wohl kein Dacapo für die Fanmeile"

Lieber Herrn Nolden !

Auch wir sind ziemlich platt und dazu noch sauer und enttäuscht Herr Nolden!

Wir bekamen wesentlich mehr als Sie und der Sportpark uns angekündigt hatten –und damit konnten wir nicht mehr leben!

Zuerst angekündigt waren 12 Life-Auftritte von Bands, die sich dann auf  23 und letztendlich 38 Auftritte erhöhten, zum größten Teil in einer Lautstärke ( mit Soundcheck im Vorfeld), die noch am Manforter Friedhof wahrzunehmen war.

Für uns (das erste Haus  war nur ca. 50 m von der Bühne entfernt) war es unzumutbar, besonders für die Alten und Kranken.

Wohl gemerkt – nicht das Public-Viewing hat uns gestört, sondern nur das überdimensionale Rahmenprogramm mit seiner Lärmimmission!

Nachdem wir 14 Tage ausgehalten hatten (man hatte uns im Vorfeld falsche db(A)- Richtwerte genannt!) und wir uns beschwerten, versuchte man die Sache auszusitzen.

Eine Lärmmessung fand in unserer Siedlung nur beim ersten Soundcheck statt. Danach wurde in unserer Siedlung offiziell nicht mehr gemessen.

Danach erfuhren wir über die Zeitung, dass man hocherfreut sei, noch 15 zusätzliche Bandauftritte ergattert zu haben. Wir waren dieser Lärmimmission, die angeblich nur einmal über der erlaubten Lautstärke lag ( 70 db(A)) gnadenlos ausgeliefert, auch wenn private Messungen erheblich höhere Werte (über 90 db(A)) ergaben.

Eine Beschwerde wurde von Herrn Hartmann abgebügelt: „Was kann ich dafür, dass Sie so lärmempfindlich sind“. Einige Tage vorher hatte er sich anders geäußert: „Ich muss diesen Lärm bis zu 16 Stunden ertragen“. Nur - das war Ihr Job Herr Hartmann und Sie haben sicherlich Gewinn gemacht Herr Nolden!

Auf der Strecke blieben wir. Es war nicht unser Wille, uns diesem 19tägigen Dauerevent auszusetzen.

Wo haben Sie Ihre im Vorfeld angekündigten Versprechungen eingehalten?

Nachdem man uns gezwungen hatte uns zu informieren und andere Stellen einzuschalten, darf man sich nun nicht wundern, wenn wir fündig geworden sind!

Friedliche Grüße aus dem Gallier-Dorf

P.S. Danke an die Gruppe Brings, die es –ohne die Bässe weit aufzudrehen- geschafft hat, gute Musik in ertragbarer Lautstärke zu machen.

 

 

25.Juni 2006- E-Mail an Frau Rösgen

 
     
 

 Anwohnergemeinschaft

Fridtjof-Nansen-Strasse / Elsa-Brandström-Strasse

Datum: 06/26/06 01:26:40

Betreff: Lärmbelästigung durch Rahmenprogramm Public Viewing
 

Sehr geehrte Frau Rösgen,

 
leider komme ich und mit mir viele Anwohner des Public Viewings immer mehr zu der Erkenntnis, dass wir Ihnen bzw. dem Sportpark und Herrn Nolden den kleinen Finger angeboten und Sie sich systematisch den ganzen Arm genommen haben.
 
Grund für unsere Verärgerung ist nicht das eigentliche Public Viewing. Wir sind verärgert über ein Rahmenprogramm, welches als man beim Treffen im Presseraum der WDH, als man um unser ( Ein- )Verständnis für die Veranstaltung warb, mit 12 Terminen - also etwa jeden 2 Tag eine Livegruppe - vorgestellt hatte. Auf einem Flyer, der in vielen Geschäften in Leverkusen ausliegt, werden dann schon 23 Termine für Livemusik angekündigt.  Der aktuelle Veranstaltungsplan im Internet kündigt sogar insgesamt 38 Musikgruppen an.
 
Die Lautstärke während der Übertragung der Fußballspiele entspricht dem, was man uns angekündigt hatte und wird von uns auch nicht beanstandet.  Es ist aber nicht zu verstehen, warum die Bands in einer Lautstärke spielen müssen, die um ein Vielfaches lauter ist, als der Lärm von mehreren Tausend feiernden und singenden Deutschen Fans auf der gesperrten Bismarckstr. am gestrigen Nachmittag.
 
Auch wenn die Lautstärke der Bands "angeblich" noch unter den ( für die Dauer der Fußball-Weltmeisterschaft gültigen ) höheren Spitzenwerten liegt, so hat die tägliche Lärmbelästigung ein Ausmaß erreicht, die nicht mehr erträglich ist.  Aus einer überschaubaren und auch von uns akzeptierten Mehrbelastung durch den Lärm von insgesamt 12 Musikgruppen ist eine gesundheitsschädliche Dauerbeschallung unserer Siedlung geworden. Der Lärm beginnt nicht erst mit Veranstaltungsbeginn, sondern bereits Stunden vorher mit dem Soundcheck der jeweiligen Band.  Gegen den Dauerlärm des Rahmenprogramms ist die Geräuschkulisse während der Live-Übertragungen geradezu eine Erholung.
 
Die Verordnung über den Lärmschutz bei öffentlichen Fernsehdarbietungen in Freien über die Fußball WM 2006 wird von den Verantwortlichen/ Veranstaltern des Public Viewing in Leverkusen offensichtlich als Freibrief ausgelegt.  In §2 Abs.2 ist unter den Anforderungen ganz klar geregelt, dass bei der Festsetzung der Betriebszeiten entsprechend §5 Abs.2 der Sportanlagenlärmschutzverordnung "der Schutz der Nachbarschaft und das Interesse der Bevölkerung an öffentlichen Fernsehdarbietungen im Freien gegeneinander abzuwägen sind". 
 
Die Nachbarschaft hat dem vom Sportpark vorgelegten Konzept eines Public Viewing an den 25 Spieltagen der WM 2006 zugestimmt. Darüber hinaus haben wir akzeptiert, dass an 12 Terminen ein musikalisches Rahmenprogramm geboten wird.
 
Die Erweiterung der Veranstaltung auf insgesamt 38 Livegruppen und die Ausdehnung der Live-Konzerte auf die spielfreien Tage war nicht besprochen und wird auch von der Verordnung der Bundesregierung nicht abgedeckt, da hierfür kein öffentliches Interesse im Sinne der Verordnung besteht.
 
Das öffentliche Interesse an den Musikprogramm ist wie wir feststellen konnten sehr gering. Aber selbst wenn keine Gäste vor Ort sind, und der Moderator lautstark über Mikrofon feststellt, dass im Moment mehr Personen auf der Bühne als vor der Bühne sind, ist die Musik unerträglich laut.
 
Seit nunmehr 17 Tagen hintereinander wird die PA von den Bands zwischen den Übertragungen ohne jegliche Rücksichtnahme bis zum Anschlag aufgedreht.
Am heutigen Tag begann dieser Lärmterror bereits gegen 11.30 mit einem zweistündigen  Soundcheck. Zunächst wurde die PA getestet, dann hat die Big Band geprobt.  Nachdem Frau Kronenberg und Frau Pilch vergeblich versucht haben einen Ansprechpartner oder Verantwortlichen vor Ort zu finden, haben wir uns telefonisch bei Herrn Hartmann beschwert.
 
Nachdem Herr Hartmann angekündigt hatte gegen 14.15 wieder vor Ort zu sein, sind wir Anwohner geschlossen zum Gelände gegangen. Dort wurde uns von einem Mitarbeiter der Fa. BaySecure der Zugang zum Gelände verwehrt. Daher haben wir Herrn Hartmann gebeten, dass Gespräch im Garten der direkten Anlieger Fam. Noje fortzusetzen.

Herr Hartmann, der nach eigenen Angaben ebenfalls jeden Tag 12-13 Stunden den Lärm ertragen muss, räumte ein, dass die spanische Band vom Vortag zu laut gewesen sei. Die zusätzliche Liveauftritte begründete Herr Hartmann damit, dass diese Bands ursprünglich vom Land NRW für ein anders Public Viewing verpflichtet worden seien, dort nicht auftreten könnten, und da die Gage ohnehin bezahlt werden müsse, nun zusätzlich in Leverkusen auftreten. 

Wir erwarten, dass Sie das Musikprogramm sowohl von der Lautstärke, als auch von der Anzahl der auftretenden Gruppen her deutlich reduzieren und an den spielfreien Tagen auf ein Rahmenprogramm verzichtet wird, da dieser Dauerlärm unserer Gesundheit schadet.

Auch wenn einige der Personen, die an der Planung/Durchführung des Public Viewing in Leverkusen beteiligt sind, die Public Viewing Verordnung als Freibrief betrachten und aus einer vermeintlichen Position der Stärke heraus der Meinung sind, dass wir Anwohner eine Lautstärke von bis zu 75 dB hinter geschlossenen Fenstern gemessen für die Dauer der Weltmeisterschaft ertragen müssen .... man sieht sich im Leben immer zweimal.

Die Weltmeisterschaft ist in knapp 2 Wochen zu Ende.  Die Verantwortlichen klopfen sich dann in der Presse und bei Radio Leverkusen gegenseitig für eine gelungene Veranstaltung auf die Schulter. Herr Nolden hat dann sein Geld verdient und zieht weiter zur nächsten Veranstaltung. 

Zurück bleibt nur eine enttäuschte Gruppe Anwohner, die nachdem Sie die Angelegenheit zur Chefsache erklärt haben die Hoffnung hatte, dass mit dem Sportpark doch ein gut nachbarschaftliches Verhältnis möglich sein könnte.

 
Mit nachbarschaftlichen Grüßen
 
Gerd Wüstner

 

Anlage:
 
Drucksache 206/06 - Verordnung über den Lärmschutz bei öffentlichen Fernsehdarbietungen im Freien über die Fußball WM 2006.
 
 
Kopie dieses Schreibens an
Herr Oberbürgermeister Küchler
Fachbereich 30 - Recht und Ordnung
Fachbereich 32 - Umwelt

 

 

 
     
 

 

"Ein Bild sagt manchmal mehr als tausend Worte !"

Zeitungsberichte im Vorfeld des Public Viewing

 
   
 

Kölner Stadtanzeiger  25.04.2006

 

 

Opladener Wochenende  29.April 2006

 

Kölner Stadt Anzeiger 15.02.2006